Buntes, artenreiches Grünland auf Dauer erhalten


oder: Futter von Extensivgrünland und Biotopflächen in Folien einpacken, ein Widerspruch? Die Eifeler Bauern zeigen, wie es geht

1. Schwer Verdauliches und nicht gern Gefressenes kommt in den “Eintopf”
Im Gegensatz zu früher können heute in modernen landwirtschaftlichen Betrieben auch Grünlandaufwüchse mittlerer und schlechterer Qualität an Rindvieh, ja sogar an anspruchsvolle Milchkühe verfüttert werden, und zwar ohne größere Risiken, sofern die Mengenanteile an der Gesamtration beschränkt sind.
Hierbei müssen allerdings die Rindviehcher ausgetrickst werden, weil sie sonst sauber das wohlschmeckende Futter herausselektieren und den Rest liegen lassen.
(Zunächst wird das gemähte Futter sehr schonend angetrocknet. So können die vergleichsweise wertvollen Blätter der Kräuter und Leguminosen vor Zerbröselung geschützt und als Futter mit geerntet werden. Danach wird das so gewonnene Heu in Ballen zusammengepresst und manchmal in einer Kunststofffolie verpackt – hierbei werden die zerbröckelten Blätter weitgehend mit eingefangen und so als relativ wertvollem Anteil dieses Futters vor Verlust geschützt. Das angetrocknete Futter fängt dann in der Folie an zu gären. Das machen Milchsäurebakterien, die überall in der Natur an Pflanzen haften. Das Produkt nennt sich nun Silage.

Damit die Tiere das so gewonnene, schwer verdauliche und nicht gern gefressene Futter doch vollständig fressen, werden die verschiedenen Futterkomponenten wie Grassilage, Maissilage, Getreide- und Sojaschrot oder sonstige Kraftfuttermittel in einen Futtermisch- und –verteilwagen zusammengebracht, intensiv miteinander vermischt und dann den Tieren in den Trog vorgelegt. Hierbei kann dann sehr gut auch das sonst zu großen Teilen gemiedene Futter von Extensiv- und Biowiesen mit eingemischt werden zu einer Gesamtration, die dem Bedarf der Tiere angepasst ist. Das so gewonnene Futter wird deshalb nicht gerne gefressen, weil viele Pflanzenarten, vor allem Gräser, nicht gut schmecken, behaart und bereits alt und sehr hart sind.

Da die Futterqualität dieser Aufwüchse im Allgemeinen gering ist, reißen sich die Bauern nicht um diese Flächen. Mehr noch, es besteht die Gefahr, dass diese ökologisch wertvollen, da meist artenreiche Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden – weil unwirtschaftlich – also brach fallen (viele sind es bereits). Durch das Förderprogramm umweltschonende Landbewirtschaftung (FUL) werden finanzielle Anreize geschafft, diese eigentlich unwirtschaftlichen Flächen weiterhin zu bewirtschaften oder wieder in die Bewirtschaftung zurück zu führen. Erst durch die (vertraglich gesicherte) Extensivbewirtschaftung können diese wertvollen Biotope erhalten werden. Die Eifeler Bauern haben dieses Programm zur Sicherung wertvoller Grünlandbiotope fleißig in Anspruch genommen. So leisten sie einen wesentlichen Beitrag z. B. zur Sicherung der Artenvielfalt, der Verbesserung des Naturhaushaltes und erhöhen die landschaftliche Vielfalt im Grünlandbereich. Das aber ist nicht immer einfach, das soll im Folgenden gezeigt werden.

2. Trockenes Wirtschaftsgrünland und Halbtrockenrasen
Trockenes Wirtschaftsgrünland ist stets leistungsschwach und der Ertrag konzentriert sich im Wesentlichen auf den ersten Aufwuchs im Frühjahr. Bunt ist es auch in den meisten Fällen durch Arten wie Wiesensalbei, Bocksbart, Knollenhahnenfuß, Witwenblume, sowie neben vielen anderen auch noch einige Leguminosenarten (Klee-, Luzerne-, Wicken-, Platterbsenarten....).
Halbtrockenrasen ist mit gekennzeichnet durch leistungsschwache, harte und nur ungern gefressene, überwiesend minderwertige Grasarten. Oft sind solche Flächen oberirdisch mit Steinen oder gar Felsbrocken überzogen, also maschinell nur schwer oder gar nur mit Spezialmaschinen zu bewirtschaften. Häufig ist die Grasart Fiederzwenke in den Flächen verbreitet. Dann ist Schnittnutzung zwingend angezeigt, da die Weidetiere allesamt (Rind, Pferd, Schaf, Ziege) diese Art meiden und so eine ungestörte Ausbreitung zwangsläufig die Folge wäre. Sie würde dann sowohl die kleinwüchsigen als auch alle abgefressenen Arten überwachsen und verdrängen, einschließlich evtl. besonders schützenswerter Arten.
Als Vertragsgrünland im Rahmen des FUL können diese ökologisch wertvollen Flächen und Biotope in der Existenz gesichert werden.
Möglich ist die Heunutzung für die Pferde oder aber auch als Beimischung für den oben beschriebenen “Eintopf”.

3. Magergrünland und Magerrasen mit Tücken
Begeistert von hin und wieder noch anzutreffenden besonders stark riechendem Heu einzelner Grünlandflächen trauert manch einer den vergangenen Zeiten nach, in denen das würzige Heu noch weit verbreitet auf den Wiesen gewonnen wurde. Weniger Begeisterung breitete sich beim Vieh aus, wenn es auf solchen Flächen fressen musste oder wenn solcherlei Heu im Winter zum Verzehr angeboten wurde.
Es ist das Ruchgras, das diese Düfte in ganz besonderem Maße verbreitet. Als eines der frühesten Gräser des Dauergrünlandes wird es im jungen Zustand (noch) gefressen; schnell verhärtend und bitterschmeckend wird es alsbald gemieden, zumal es in Bodennähe auch noch nach Stallmist stinkt.
Der Duftstoff dieses Grases, das Cumarin, soll zwar in geringen Mengen mit verzehrt den Appetitt anregen, bei höheren Anteilen im Aufwuchs treten aber die negativen Erscheinungen hohen Cumarinverzehrs auf: das Blut wird soweit verdünnt, dass es zum Blutharnen kommen kann.

Feuchtes Magergrünland sagt dem Ruchgras (offensichtlich) besonders zu, denn an solchen Standorten kann es sich teilweise sehr stark ausbreiten. Gott sei Dank ist nach der ersten Nutzung im Jahr das Nachwuchsvermögen nur sehr gering.

Auch wenn Ruchgras in nur geringem Maße auftritt, sind Magergrünland und Magerrasen leistungsschwache Futterflächen, die zu dem wenig wertvolles bis minderwertiges Futter liefern. Außerdem ist das Artenspektrum begrenzt und somit auch das Farbenmuster solcher Flächen wenig abwechslungsreich.
Als Futterlieferanten sind solche Flächen bei den Landwirten nicht geschätzt, werden aber sehr wohl als FUL-Flächen mit genutzt. Von Vorteil für die Futterverwertung ist, dass meist nur unbedeutende Mengen an Giftpflanzen auftreten – Ruchgras zählt nicht zu den Giftpflanzen -.
Als Giftpflanze tritt hin und wieder der Scharfe Hahnenfuß verstärkt auf: im grünen Zustand wird er nicht gefressen und beim Trocknungsprozess zum Heu wird der Giftstoff zerstört.
Ökologisch sind Magergrünlandflächen zwar wertvoll, optisch jedoch meist eher langweilig grünlich-gelb.

4. Schön anzuschauen, schwer zu bewirtschaften, oft von Giftarten durchsetzt: sehr feuchtes und nasses Grünland
Sumpfdotterblume, Scharbockskraut, Brennender und Scharfer Hahnenfuß, Herbstzeitlose, Wiesenschaumkraut und Großer Klappertopf sind alles prächtige Blütenpflanzen, aber mehr oder weniger stark giftig. Manchmal gesellt sich noch der stark giftige Sumpfschachtelhalm dazu. Von den Tieren gemiedene Pflanzen sind zudem beispielsweise die ebenfalls auffallend bunt blühenden Arten Sumpfkratzdistel, Wiesenknöterich (auch Schlangenknöterich genannt), Labkrautarten, Beinwell und Großes Mädesüß. Alle diese Arten, sind keine Futterpflanzen. Sie dienen aber, mit Ausnahme des Sumpfschachtelhalmes, als Bienenweide. Reihen sich hierzu noch minderwertige Gräser, so wird jedem deutlich, dass in solchen Flächen zwar durchaus beachtliche Mengen an Biomasse heranwachsen, aber nur wenig brauchbares Futter.
Da solche Flächen meist nicht beweidungsfähig sind, weil überwiegend zu nass und die meisten der oben genannten Arten nicht trittfest sind, bleibt nur die Schnittnutzung übrig. Siliert bleiben fast alle Giftstoffe erhalten, die Tiere würden vergiftet. Beim Trocknungsprozess werden zwar die Giftstoffe der Hahnenfußartigen biologisch vernichtet, aber nicht die Gifte der meisten anderen Arten.
Im Rahmen des FUL geförderte und bewirtschaftete Flächen müssen zur Futterproduktion gesondert behandelt werden: beim Trocknungsprozess ist ein “hartes Anfassen” des trocknenden und trockenen Aufwuchses sinnvoll, um möglichst hohe Bröckelverluste bei den giftigen Arten zu verursachen. Erst dann darf eine eng begrenzte Menge solchen Heus dem Vieh vorgelegt oder dem oben beschriebenen “Eintopf” beigemischt werden.
Unter besonders schwierigen, d. h. giftigen Voraussetzungen ist eine Kompostierung oder eine dünne Aufbringung in gehäckselter Form auf Äcker oder sonstige Grünlandflächen angezeigt.
Die ökologisch häufig sehr wertvollen Feucht- und Nassbiotope können also auch mit den Landwirten erhalten werden, hierbei sind aber durchaus spezielle angepasste Verträge abzuschließen: der Interessierte, der Staat, müsste also tiefer in die eigene Tasche greifen, da die Risiken für die Landwirte vielfältig und groß sind.
Für Touristen sind es häufig die attraktivsten Flächen, da sehr artenreich und bunt.


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