Exkursion des Bundessteinobstseminars vom 30.11. – 14. 12. 2006 nach Chile

Exkursion des Bundessteinobstseminars vom 30.11. – 14. 12. 2006 nach Chile

Martin Balmer, Elke Immik, Günther Hensel, DLR Rheinpfalz, Kompetenzzentrum Gartenbau

(Fotos in der PDF-Datei im Anhang)

Donnerstag, 30.11.06


Anreise von 12 Personen von Ahrweiler aus per Bahn, die gesamte Gruppe (36 Personen) trifft sich auf dem Frankfurter Flughafen und startet um 19.40 zu einem 18-stündigen Flug mit Zwischenstopp in Madrid mit Flugnr. LAN 705 nach Santiago de Chile.


Freitag, 1.12.06


Landung um 9.20 Uhr Ortszeit in Santiago. Elke Immik, die einen Tag früher fliegen musste und Ruby Munzenmayer, die Reiseführerin, die uns die ganze Zeit begleiten wird, erwarten uns am Flughafen. Verladen des Gepäcks in den Bus von Don Elias und Transfer ins Hotel “Galerias” im Zentrum von Santiago, in dem wir 3 Nächte verbringen werden. Nach kurzer Ruhepause um 15.00 Uhr Stadtführung mit Präsidentenpalast, Kathedrale und abenteuerlicher Seilbahnfahrt auf den Cerro San Cristóbal. Dort ein atemberaubender Blick auf die 6-Millionen-Stadt. Abendessen wieder im Zentrum von Santiago, es gibt eine Parillada, also riesige Berge gegrillten Fleisches, Harri Goldschmidt wird zum Vegetarier.

Übernachtung im Hotel Galerias in Santiago.Samstag, 2.12.06
Über die Panamericana zur Versuchsstation der Universidad Católica de Valparaiso in Quillota (100 km nordwestlich von Santiago). Der Ort liegt in einem Tal zwischen den Anden und der Küstenkette. 5 Monate im Jahr ist Trockenzeit, Bewässerungsmöglichkeiten sind aber reichlich vorhanden, so dass Obst- und Weinbau betrieben wird. Die Führung auf der Station erfolgte durch Alberto Cortés. Er ist in seinem Arbeitsgebiet auf Süßkirschen und deren Kältebedürfnis spezialisiert. Der Mangel an Winterkälte führt bei Kirschen zu einem verspäteten Austrieb, einer folgernden Blüte, folgernder Fruchtreife (auch wenn die Blüte kompakt war) und vor allem Mindererträgen. Durch den Einsatz von Dormex (Cyanamid) ca. 2 Monate vor der Blüte wird das Kältebedürfnis reduziert. Dennoch betragen die Erträge in der Region durchschnittlich nur 5-6 t/ha im Vergleich zu 10-12 t/ha in den weiter südlich gelegenen Hauptanbaugebieten. Zur Befruchtungsförderung werden 15 Bienenvölker / ha eingesetzt, ausgedünnt wird lediglich per Hand (Knospen und Früchte). Der flachgründige Boden wird zu ca. 80 cm hohen Dämmen angepflügt, bevor gepflanzt wird. Pflanzenschutzprobleme bei Kirschen sind Vogelfraß (10-15 % Schaden zu kalkulieren), Pseudomonas (bacterial cancer), Monilia-Arten und Kirschblattwespe. Gegen Pseudomonas bis zu 4 Kupferspritzungen ab beginnendem Blattfall (10 %) sowie Einstreichen der Stämme mit einem kupferhaltigen Mittel nach der Ernte.
Zur Unkrautbekämpfung werden bis zu fünf Behandlungen pro Jahr mit einem Glyphosat-Präparat durchgeführt.

Wassergaben von 40-50 mm/Woche mit Mikrosprinklern sind notwendig, der Wasserbedarf pro ha und Jahr liegt zwischen 6000 und 7000 m³. Die Kontrolle des Wasserbedarfes erfolgt über die klimatische Wasserbilanz und Messung der Bodenfeuchtigkeit. Zusätzlich wird das Wurzelwachstum über sogen. Risotrone, in den Boden eingelassene Plexiglasscheiben, kontrolliert (Datums-Markierung erscheinender Wurzeln mit weißer Farbe). Dies liefert nicht nur für die Steuerung der Bewässerung, sondern auch der Düngung wertvolle Hinweise.
Die Bäume sind als Y-Krone (rechtwinklig zur Reihenrichtung) erzogen. Zur Verzweigungsförderung des Jungbaumes wird im Stadium grüne Knospenspitze gekerbt und gleich darauf mit Promalin gespritzt (GA + Benzyladenin). Bei zu hoher Promalinkonzentration gelbe Blätter und Gummifluss.
Sorten: Early Burlat, Céleste, Brooks, Sunburst, Cristalina, Ruby, Newstar, Vanda, Somerset, Summit, Rainier, Lapins, Sweetheart. Die Ernte beginnt hier in der 1. Novemberwoche, derzeit ist ‘Lapins’ reif. Hauptunterlage in der Region ist ein Wildling von Prunus cerasus, auch P. mahaleb (Saint Lucie 64) ist in Verwendung. In einem Unterlagenvergleich stand ebenfalls Maxma 14 und machte einen guten Eindruck, im Gegensatz zu Gisela 5 und Gisela 6, die zu stark vergreist und schwachwüchsig erschienen. Ebenfalls in der Prüfung: Weiroot 158.

Abschließend wurden Avocado- und Kiwianlagen besichtigt. Avocados stellen in der Region eine Hauptproduktion dar. Die bis zu 8 m hohen Großsträucher werden über Leitern geerntet. Der Stundenlohn für Erntekräfte beträgt 1 Euro. Mittagessen in Concon an der Mündung des Flusses Aconcagua und kurzes Bad im kalten Pazifik, der hier eine Jahresdurchschnittstemperatur von 14 °C hat. Weiterfahrt auf der Küstenstraße über Viña del Mar nach Valparaiso (Tiere: Seelöwen, Möwen, Pelikane, Pflanzen: Portulak, Lantanen, Kapuzinerkresse, Palmen, Kakteen). In Valparaiso wurde das Wohnhaus des Dichters Pablo Neruda besichtigt. Von hier aus bestand ein phantastischer Ausblick auf die Unterstadt und die gesamte Meeresbucht mit ihren Hafenanlagen. Danach Fahrt mit einem der über 100-jährigen Schrägaufzüge. Abendessen in einem direkt am Meer gelegenen Fischrestaurant mit stimmungsvollem Sonnenuntergang und 80 jährigem Pianisten, wie aus dem Buena Vista Social Club entlehnt. Auf der Rückfahrt nach Santiago fiel der Bus aus und die Gruppe musste über 1 Stunde auf einen Ersatzbus warten.Sonntag, 3.12.06
Weinbau im Maipo-Tal. Das Tal befindet sich 50 km südöstlich von Santiago. Das Klima ist sehr konstant mit 8 Monaten Sommertrockenheit und einer durchschnittlichen Niederschlagshöhe von 478 mm. Dadurch erhält der Wein eine sehr gleichbleibende Qualität, wie der Besitzer der Cavas del Maipo erklärt. Die Familie ist um 1950 aus Spanien eingewandert und besitzt 50 Hektar, davon 30 ha Weinbau mit eigenem Keller, als weitere Kultur werden Mandeln angebaut. Klimatisch bedingt ist Pflanzenschutz im Weinbau kaum notwendig, auch nicht gegen Botrytis. Nur gegen Oidium wird Schwefel eingesetzt. Die Bodenpflege erfolgt mechanisch, Zusatzbewässerung durch Anstauen von Wasser aus dem Maipo-Fluss. Der Betrieb setzt auf eher traditionelle Sorten (Cabernet Sauvignon, Sauvignon blanc, Chardonnay), meist auf eigener Wurzel, da die Reblaus nicht vorkommt und die Anlagen sehr alt werden. Geerntet wird alles per Hand, im Schnitt 8000 kg / Hektar. Die Arbeiter erhalten 400-500 $/Monat gesetzlichen Mindestlohn, auf den keine Lohnsteuer anfällt. Zusätzlich muss der Arbeitgeber 19,5 % Sozialversicherung bezahlen. Die Wochenarbeitszeit ist gerade von 48 auf 47 Stunden gesenkt worden. Der Betrieb vermarktet ca. 200.000 Flaschen im Jahr. Nahezu alles wird exportiert (Exportkosten: ca $ 9,-/12 Flaschenkarton, Verkaufspreis / Flasche: 2 – 3 €).
Der Weinbaubetrieb Santa Rita gehört zu den Großen Chiles. Allein im Maipo-Tal werden 600 ha angebaut, in ganz Chile beträgt die eigene Weinbaufläche 2.600 ha. Auf dem Weingut im Maipo-Tal arbeiten ca. 100 Festangestellte und zusätzlich mehr als 600 Saison-AK. Für Premium Weine werden die Trauben komplett per Hand geerntet. Die Ernte beginnt Anfang Januar und dauert bis Ende April. Rebsorten sind Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Malbec. Bei jährlich produzierten 18 Millionen Flaschen kommt ein erheblicher Teil der Trauben auch aus Zukauf von Winzern in der Region. Exportiert wird in 60 Länder, Hauptkunden sind die USA, Kanada und Japan. Für den Kellereibetrieb sind 4 Kellermeister verantwortlich. Gesehen wurden hauptsächlich Edelstahltanks, aber auch Betontanks und Barrique-Fässer. Diese kommen aus Kalifornien und Frankreich.

Montag, 4.12.06


Besuch des chilenischen Frucht-Exporteur-Verbandes ASOEX (www.asoex.cl) und Vorstellung der Aktivitäten durch seinen Manager Christian Carvajal. Der Verband wurde 1935 gegründet und repräsentiert 92 % des Exportvolumens bei Frischobst. Mitglieder sind 232 Firmen, Erzeuger und Vermarkter. Hauptziel ist die Förderung des Verkaufsprozesses, Vermarktung selbst wird nicht durchgeführt. Einige Fakten:


7800 Obstproduzenten in Chile, die eine Fläche von > 5 ha bewirtschaften.
518 Exportfirmen
1300 Importeure
250.000 ha Obstanbau
75 Obstarten werden in 100 Länder vermarktet
180.000 Dauerbeschäftigte in Erzeugung und Vermarktung von Obst
270.000 Saison-AK
Bedeutung des chilenischen Obstbaues in der südlichen Hemisphäre und weltweit:

9
Obstart Südl. Hemisphäre Rang weltweit Rang
Tafeltrauben 1 2
Äpfel 1 4
Birnen 1 4
Pflaumen 1 1
Heidelbeeren 1 1
Himbeeren 1 3
Avocados 1 3
Die Exporte gehen zu 40 % nach USA/Kanada, 32 % Europa, 16 % Lateinamerika und 8 % in den Fernen Osten. Der Wettbewerb mit Brasilien, USA, Südafrika, Australien und Neuseeland nimmt zu. Mit Chile-GAP wird versucht, die europäischen und US-amerikanischen Qualitätsstandards gleichzeitig zu erfüllen (und damit die Kontrollkosten zu senken). Die Chancen des Landes werden in seiner phytosanitären Gesundlage und geografischen Vielfalt gesehen, die eine lange Angebotsphase sichert. Deutschland wird hauptsächlich als so genannter “Volumenmarkt” gesehen. Die Einkäufer sind sehr preisorientiert, haben aber hohe Qualitätsansprüche. Äpfel und Tafeltrauben sind die wichtigsten Arten, die nach Deutschland gehen. Für Süßkirschen ist der Hauptmarkt die USA und Ostasien. In Europa ist das erforderliche hohe Preisniveau nur vereinzelt durchsetzbar. Weitere Exportdaten: www.chileanfreshfruit.com Universidad de Chile, Professor Tomas Cooper Die Universidad de Chile war bis in die 70er Jahre Chiles einzige Universität, im Zuge der Regionalisierung mussten sich in den Regionen selbstständige Universitäten ausgründen. Heute ist die Universidad de Chile auf den Großraum Santiago beschränkt. Die landwirtschaftliche Fakultät hat etwa 500 Studierende und jährlich ca. 100 Absolventen, die auch alle eine Anstellung finden. Prof. Cooper hält einen Vortrag über den Obstanbau in Chile (die Präsentation hat Dr. Streif, Bavendorf, zusammengestellt). Das Land hat 12 Regionen, gezählt wird von Norden nach Süden. 329.700 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften 17,68 Millionen Hektar. Obstbaulich werden nördlich von Santiago Oliven, Citrus und Tafeltrauben angebaut, im Raum Santiago liegt der Schwerpunkt bei Tafeltrauben, Weinbau, Avocados, Kiwis, Pflaumen und Walnüssen. Weiter nach Süden folgen Kirschen, Äpfel und Beerenobst und Nutzwälder (Kiefern und Eukalyptus), ganz im Süden wird das Land nur zur Viehzucht und im Waldbau genutzt. Die Obstanbaufläche beträgt insgesamt 290.000 ha, davon 7200 ha Tafelkirschen mit einer Produktion von 32.000 t (2003). Beratung wird von folgenden Organisationen durchgeführt: 1. INIA = staatlich, Aufgabe ist die Unterstützung der Kleinproduzenten 2. Ingenieure der Exportfirmen und Pflanzenschutzmittelfirmen 3. Privatberatung, diese wird zum Teil auch von Wissenschaftlern im Nebenverdienst durchgeführt. Die wenigen Versuchsstationen gehören zu den Universitäten oder werden von den Regionen finanziert. Es gibt keine eigene Steinobstzüchtung in Chile. Nachmittags Besuch von Agricola Sapel, einem Obsterzeuger mit eigenem Packhaus und eigener Exportvermarktung, südlich von Santiago. Exportanteil 80 %. Obstarten: - 38 ha Pfirsich (Earlyrich, Vista, Dr. Davis, …..). Pflanzraster 2,5 x 5 m, 3-V-System, Durchschittsertrag 30 t/ha, alle Sorten benötigen 2-4 Pflückdurchgänge, Pflückleistung 1 t/Person und Tag. - 50 ha Nektarinen (Ruby Diamond, Old Red, Septemberred, Venus, Arctic Snow, …) - 80 ha Salicina-Pflaumen (Real, Howards, Red Heart, Santa Rosa, Angeleno, Mary Anne, ...), Ertrag 18 t/ha. - 10 ha Tafeltrauben - 13 ha Heidelbeeren - 11 ha Aprikosen (Modesto, …) - 6 ha Mispeln Die gesamte Fahrgasse wird abgespritzt, um die Bewässerung des Grases zu vermeiden. Bewässert wird über an den Bäumen entlang gezogene Gräben alle 5 Tage 48 l/Baum. Die Kosten des Wassers sind nur bedingt mengenabhängig: Es wird für die Wasserrechte ein Betrag an die Canalistas de Maipo abgeführt. Zur Bekämpfung des Pfirsichwicklers ist die Verwirrung mit Dispensern ausreichend, nach der Ernte werden Randreihen auch chemisch behandelt. Beobachtet werden konnte die Ernte der Aprikosen: Pflücken in mit Stoff ausgeschlagene Plastik-Einkaufskörbe, Sortierung auf dem Feld in Flachsteigen mit Schaumstoffnestern. Wuchsbremse und Verbesserung des Fruchtansatzes durch Ringeln der Stämme nach der Blüte. Die Heidelbeeren werden in 300 g Schalen zu à 5 $ verkauft, der Zielertrag liegt bei 3 kg/Pflanze (4300 Pfl./ha). Packstation Rio Blanco (www.rioblanco.cl) Größter Aufbereiter von Tafeltrauben in Chile. In 7 Stationen werden landesweit jährlich 9 Millionen Kartons à 8,4 kg verpackt. Beliefert wird die hiesige Station von 44 Kirschenerzeugern, derzeit wird die Sorte ‚Bing’ sortiert und verpackt. Wareneingang: die Ware kommt vorsortiert an die Packstation. Dort wird zunächst von jeder Charge eine Stichprobe von 25 Früchten entnommen und die Qualität kontrolliert: Brix, Fruchtdurchmesser, Festigkeit (Firmtech-Gerät), Fruchtfleischtemperatur. Bereits hier wird über die Haltbarkeit und Verwendung der Ware entschieden. Jede Kiste ist mit einem Barcode versehen und bis auf das Probenbegleitblatt der Eingangskontrolle rückverfolgbar. Sortiert wird in einer Boyd & Boyd –Anlage, Baujahr 2005 mit einer Leistung von 2000 t/Jahr. Aufbereitet werden 6 t/Std im 2-Schicht-Betrieb. In jeder Schicht arbeiten 340 Menschen 8 Stunden lang: 1. Schicht von 8.00 – 16.00 Uhr, 2. Schicht von 17.00 – 2.00 Uhr. Zur Haltbarmachung der Kirschen werden Chlor und das Fungizid Rovral eingesetzt. Chlor (180 ppm) beim Entleeren der aus dem Hydrocooler kommenden Kisten, Rovral beim Transport der Kirschen über Stieltrenner und Kalibrier-Maschine. Manuelles Befüllen der mit MAP-Beuteln ausgeschlagenen 5-kg-Kartons. Diese werden dann vakuumiert und mit 16 % CO2 und 84 % N befüllt. Es stellt sich im Karton dann eine Atmosphäre von 10 % CO2 ein. Danach Palettieren im Kühlraum und Abkühlen auf 1 °C. Wichtigste Sorten von Rio Blanco sind ‚Bing’, ‚Van’, ‚Lapins’ und New Star’. Übernachtung im Hotel Turismo in Rancagua. Dienstag, 5.12.06 [

Region Rancagua. Begleitet wurde die Gruppe an diesem Tag von Marlena Ayala, Professorin für Physiologie an der Universidad Católica. Die Baumschule Viveros Requinoa ist spezialisiert auf Steinobst und Lizenzinhaber vieler Süßkirschensorten: Bradford- und Zaiger-Sorten aus Kalifornien, Washington State University-Sorten, INRA-Sorten. Auch eine Kreuzung Süßkirschen x Pflaume aus Australien soll demnächst ins Programm kommen. Die Frucht soll den Charakter einer Kirsche haben, nur wesentlich größer und transportfester sein. Produziert werden 500.000 Bäume/Jahr, hauptsächlich Kirschen und Pflaumen, seit letztem Jahr auch Äpfel. Zur Bindung der Kunden werden in der Reifezeit wöchentlich Sortenbegehungen mit technischen Informationen angeboten. Die Sortenprüfung erfolgt überwiegend in der Baumschule selbst. Meistgepflanzte chilenische Kirschensorte ist indessen ‚Bing’, bei den Unterlagen ist es Colt. Verschiedene Sorten aus der WSU-Züchtung werden verkostet, darunter die Spätsorte ‚Tahoma’ (CE 92). Der kurze Gang in den Sortengarten endet bei den bereits abgeernteten Frühsorten, Baumerziehung hier 4-Ast-Hohlkrone. ‚Sequoia’ und ‚Royal Dawn’ der Bradford-Züchtung scheinen interessant zu sein. Die in Chile am meisten verbreitete Frühsorte ist ‚Early Burlat’, die aber zu weich und schlecht transportfähig ist. Generell werden alle Sorten vor ‚Bing’ im Flugzeug exportiert, alle später reifenden Sorten im Kühlcontainer per Schiff. An Niederschägen fallen in dieser Region ca. 300 mm im Jahr, der Boden ist sehr durchlässig mit pH-Werten zwischen 5 und 7. Bei platzempfindlichen Sorten wird bei Niederschlägen während der Ernte in den Regen ein Calcium-Präparat appliziert und danach werden die Bäume mit dem Gebläse möglichst trocken geblasen.
Zur Verbesserung der Fruchtqualität (Größe, Festigkeit) werden die Nährstoffe Kalium, Stickstoff und Schwefel mittels Blattdüngung eingesetzt.
In einer der drei Packstationen von Viveros Requinoa werden Salicina-Pflaumen und Kirschen aufbereitet. Die Pflaumen werden in 300 kg Großkisten angeliefert und wie Äpfel über eine Gewichtssortieranlage geschickt. Während der Sortierung werden die Früchte mit einem Fungizid (Thiabendazol) und Wachs behandelt. Verpackung in Nester, 5-lagig. Manuelle Sortierung von Süßkirschen in 2 Größenklassen in einem auf 8 °C gekühlten Raum. Arbeitswirtschaftlich gut durchdachtes Verfahren für das Abfüllen in Folien-Kleinverpackung (“punnets”).

Vivero Rancagua betreibt eine Baumschule und Obstproduktion, vor allem Steinobst. Zusammen mit der Universidad Católica wird ein N-Düngungsversuch bei wuchsreduzierenden Unterlagen (Gisela 6 mit ‚Bing’) durchgeführt (Pflanzung 2006 mit 0, 50, 100 g N/Baum bei 600 Bäumen/ha). Zur Bestimmung der N-Aufnahme wird der gesamte Baum nach 5 Standjahren gerodet, zerhackt und nach Nährstoffgehalten untersucht. Der Boden ist wie überall im Zentraltal ein Feinsand mit Schluffanteil, der gut drainiert und einen pH-



Wert von 6.5 – 7.0, manchmal auch höher, besitzt. Die Erträge liegen in Altanlagen bei 8-10 t/ha und in neuen Intensivanlagen rund 2 Tonnen höher. Standardmaßnahmen sind der Einsatz von Dormex zur Verringerung des Kältebedürfnisses, von GA3 zur Verbesserung

der Fruchtfestigkeit und die Regulierung der Fruchtgröße über das Abstreifen der Bukettknospen oder das manuelle Entfernen junger Früchte. Baumerziehung in Altanlagen ist die Hohlkrone, in Neuanlagen der Central-Leader (Spindel). Zur Verzweigungsförderung wird Promalin eingesetzt. Besichtigung einer neuen Versuchsanlage mit der schwachwüchsigen Kombination ‚Royal Dawn’ auf Gisela 6 als V-Erziehung am Bambus. Im Pflanzjahr wird das Wachstum in jeglicher Form gefördert: Hohe N-Gaben (300 kg N/ha) und 10 ppm GA3 rund 10 Tage nach der Blüte. Alle 6 Tage werden die Gräben entlang der Baumreihen für 10 Stunden überflutet. Zum Schluss besuchen wir eine Anlage, in der gerade ‚Rainier’ geerntet wird. 60 % der Früchte gehen in den Export, hauptsächlich nach Asien und Großbritannien. Die Erntearbeiter werden nach Stunden bezahlt, sie leisten pro Person ~120 kg in 8 Stunden und verdienen ~ 20 € / Tag.

Die Brüder Hernan und Pablo Garces besitzen 500 ha Obstproduktion und die modernste Kirschen-Packstation Chiles. Die Produktionsfläche setzt sich folgendermaßen zusammen:
200 ha Süßkirschen (90 ha Altanlage, 110 ha Junganlage bis zum 4. Blatt)
160 ha Pfirsiche und Nektarinen
30 ha Salicina-Pflaumen
6 ha Kiwis4 ha Tafeltrauben

In einer Kirschenanlage im 4. Blatt (Erziehung: Solaxe) wurde Maxma 14 als Ammen-Unterlage nachträglich einveredelt. Vermieden werden soll eine spätere Unverträglichkeit der Sorte ‚Santina’ mit der Unterlage Pontaleb (P. mahaleb). Die Vitalität der Bäume ist derzeit eher zu hoch, so dass mit Sommerschnitt (Februar) steuernd eingegriffen wird. Verstärkt werden Frühsorten, v. a. ‚Royal Dawn’, gepflanzt. Eine Überdachung des Frühsortiments wird für sinnvoll erachtet, da ein einziger Niederschlag bei den derzeitigen Preisen mehr kosten würde als die gesamte Investition. Außerdem hilft sie gegen Sonnenbrand (kanadisches System mit zusammenziehbaren Feldern). Die Kosten für die Überdachung liegen bei ca. 15.000 $, davon 5000 $ für die Folie (Fa. Empac / Spanien), die etwa 5 Jahre hält. Als Zielertrag werden bei Bing 10 t/ha und bei den selbstfertilen Sorten 15 t/ha angestrebt. Nach ‚Bing’ hat sich ‚Lapins’ in Chile zur zweitwichtigsten Sorte entwickelt. In einer Pflaumenanlage werden die Hauptäste jährlich zweimal geringelt (während der Blüte und bei erbsengroßer Frucht). Ziel dabei ist eine Verbesserung des Fruchtansatzes und der Fruchtgröße. Unterlage ist die starkwüchsige Prunus mariana. Das Bewässerungswasser stammt aus bis zu 100 m tiefen Brunnen, auf der gesamten Fläche wird fertigiert.
Durch das Packhaus führt Pablo Zoffolij, Post-Harvest-Spezialist an der Universidad Católica. Auch hier wird der Wareneingang ausführlich anhand einer entnommenen Fruchtprobe protokolliert. Die Eingangsqualität entscheidet über die mögliche Lagerdauer (bis zu 45 Tage).
Schritte:
1. Anlieferung, Probenahme und Hydrocooling auf 10 °C Fruchttemperatur
2. Verteilung je nach Qualität und Sorte auf verschiedene Kühlräume und Herunterkühlen auf 1 ° C mit Luftkühlung
3. Sortierprozess (in Wasser, ca. 7 °C Fruchttemperatur, unter 4 °C werden Süßkirschen sehr druckempfindlich),
4. Verpacken (12-14 % CO2, in der Kiste soll sich nach einigen Tagen eine Atmosphäre von idealerweise 8 % CO2 und 8 % O2 einstellen, dies wird durch die Auswahl des Folienbeutels, je nach angestrebter Lagerdauer, bestimmt)
5. Herabkühlen auf 1 °C und Abtransport

Es handelt sich um das größte Packhaus Chiles und wahrscheinlich auch weltweit für Kirschen. 40 % der chilenischen Export-Kirschen werden hier aufbereitet. Für die Anlage lieferten verschiedene Hersteller Komponenten: Stieltrennung (Fachaux, Frankreich), mechanische Größensortierung (GP Graders, Australien), optische Sortierung (Unitec, Italien, www.unitecgroup.com). Etwas genauer untersucht wird hier das Auftreten von physiologischen Schäden /. Druckschäden die je nach Sorte durch den Ernte- und Sortiervorgang entstehen können. Pablo Zoffolij weist auf den Unterschied zwischen Festigkeit und Elastizität der Früchte hin. Van und Sweetheart beispielsweise sind zwar fest, sind aufgrund einer geringen Elastizität jedoch anfällig für Druckschäden. Professor Zoffolij arbeitet auch an Alternativen zu Chlor und Fungizidzusätzen bei der Nasssortierung. Beiden wird keine Zukunft eingeräumt. Bei der Ozonisierung ist das Problem die Verschmutzung der Kirschen durch organische Teilchen, z.B. Humus, die zu einer schnellen Verflüchtigung des Ozons aus dem Wasser führt. Das Besprühen mit Zitronensäure ist erfolg versprechend. Ein neuer Ansatz sind die Beigabe von Pflanzenölen oder “pilzlichen Stoffwechselprodukten” in den mit MAP-Folie ausgeschlagenen Verpackungskarton, die über ihre Verdunstung Fäulnis verhindern sollen. Alvaro Campos stellt verschiedene MAP- und Biofresh Verpackungen vor. Vertrieb in Deutschland über die Fa. Moosmann, Ravensburg.

Abends kleiner Umtrunk bei Claudio Esser in dessen wunderschönem Garten. Esser ist Privatberater und hat sich auf den Einsatz von Nützlingen (insb. zur Spinnmilbenbekämfpung) spezialisiert.


Mittwoch, 6.12.06


Besuch der Hazienda von Florencio Lazo in Rancagua, der das Verfahren der “Thermal Pest Control (TPC)” entwickelt hat. In einem schleppergezogenen Gerät wird Propangas verbrannt und mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h seitlich in den Pflanzenbestand geblasen. Die Luft ist dann ca. 100 °C warm. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 6 km/h und einem Gasverbrauch bis zu 15 kg/ha kommt es nur zu einer leich-ten Erwärmung der Pflanzenoberfläche. Das Prinzip besteht darin, dass die Pflanzen bei der Behandlung Elizitoren oder direkt Abwehrstoffe gegen Schaderreger bilden, die einen chemischen Pflanzenschutz dann überflüssig machen. Bei Weintrauben wurden seit 1999 bisher die meisten Untersuchungen durchgeführt, und es konnte, zum Teil auch wissenschaftlich untermauert, nachgewiesen werden, dass auch der Anteil wertgebender Inhaltsstoffe erhöht und die Haltbarkeit verbessert wird. Bei Trauben wird ab Blüte alle 15 Tage behandelt, wenn die Fruchtfärbung beginnt, jede Woche. Versuche in anderen Kulturen, auch Süßkirschen, laufen. Die Maschine kann umgebaut auch zur Frostabwehr und zur Herbizidbekämpfung eingesetzt werden. Weltweit sind derzeit 94 Maschinen im Einsatz, davon 30 in Chile und 64 in Neuseeland. Die Maschine kann derzeit nur bei Herrn Lazo direkt gemietet werden, zusammen mit dem amerikanischen Geschäftsmann Martin Fischer arbeitet man derzeit aber an einem weltweiten Vermarktungskonzept.
Anschließend führte Berater Carlos Pino Torres die Gruppe in den ökologischen Obstanbau in Chile ein. Folgende Flächen werden derzeit biologisch angebaut:

Apfel 1000 ha
Beerenobst 1000 ha
Tafeltrauben 2500 ha
Kirschen 500 ha
Pflaumen 50 ha

Anhand des 90 ha großen Familienbetriebes von Juan Ignacio Suazo (14 ha Süßkirschen, 20 ha Tafeltrauben, 50 ha Weideflächen, Rest Hof- und Wegeflächen) wird das Prinzip der ökologischen Wirtschaftsweise erläutert. Der Betrieb arbeitet seit 5 Jahren ökologisch und ist von der Schweizer IMO-Control zertifiziert. Dies sichert die Anerkennung der Wirtschaftsweise sowohl nach europäischen als auch nach amerikanischen Standards. Auch hier wird der größte Teil des Obstes exportiert. Der Preisaufschlag beträgt ca. 30 %, die Erträge sind aber auch niedriger und liegen bei 5-12 t/ha. Wichtigste Schaderreger sind Pseudomonas, die Kirschblattwespe und eine Wickler-Art, die Triebspitzenbefall verursacht. Einziges Pflanzenschutzmittel ist Schwefel. Das Unkraut wird von 700 Toulouse-Gänsen, einer besonders friedlichen Rasse, die direkt aus Frankreich importiert wurde, kontrolliert. Man kalkuliert einen Gänsebesatz von 60 Tieren/ha. Um die Gänse kümmert sich eine eigens eingestellte AK mit Hund. Die Düngung erfolgt mit Kompost und Mist vor der Blüte (der Betrieb produziert davon rund 700 Tonnen/Jahr) und durch Fertigation mit rotem Guano nach der Ernte. Neupflanzungen erfolgen nach dem konventionellen Standard, also mit mineralischer Düngung, chemischem Pflanzenschutz und Promalin-Einsatz. Nach dem ersten Jahr wird umgestellt, Umstellungsphase 3 Jahre. Die Hauptsorten sind Lapins, Bing, Summit und Van. Sortierung und Verpackung werden in konventionellen Packstationen durchgeführt. Diese werden nach einer Grundreinigung tageweise ausschließlich für ökologisch produzierte Ware genutzt.

Copefrut S.A. in Curico gehört zu den 5 größten chilenischen Exporteuren von Obst. Im Jahr 1945 als Genossenschaft gegründet ist er heute eine Handelsgesellschaft auf Aktien. Vermarktet werden über 4 Packstationen in Chile Äpfel (50.000 t/Jahr), Pflaumen, Kiwis, Aprikosen und Kirschen. Bei Kirschen ist Copefrut mit jährlich 3000 Tonnen Chiles größter Exporteur. Auf dem chinesischen Markt werden für chilenische Kirschen derzeit $ 5,-/kg erzielt. Wichtigste Exportmärkte für Kirschen sind China (30%), USA (30 %), Europa (25 %) und Südamerika (25 %). Der Auszahlungspreis für den Produzenten liegt in diesem Jahr bei ca. $3,20, das ist 1 Dollar höher als im Vorjahr, da der Ausschuss geringer ist als in anderen Jahren (normaler Ausschussanteil 25 %, in diesem Jahr 15 %). Die Preise werden zwischen den großen Exporteuren teilweise abgestimmt. Die Betriebe liefern mehrmals täglich an, der Pflückzeitpunkt wird durch Agronomen anhand bestimmter Kriterien (Farbe, Zuckergehalt) bestimmt. In der aktuellen Kirschenkampagne arbeiten allein in der Packstation Curico täglich 1200 Menschen im Zweischichtbetrieb.



Ablauf auf der Packstation:


1. Warenannahme + Stichproben für die Rückverfolgbarkeit
2. Hydrocooling auf deutlich unter 3 °C Fruchttemperatur
3. Stieltrennung
4. Größensortierung über Walzen
5. Manuelles Auslesen
6. Abfüllen in “Zwischenverpackung” und Zwischenlagerung

Größenklassen: 24-26 mm (large)
26-28 mm (Jumbo)
> 28 mm (Super Jumbo)
7. In der vorsortierten Ware sind 30 % Übergrößen enthalten. In einem zweiten Packhaus wird die vorsortierte Ware manuell weitersortiert. Zum Beispiel werden aus der Größe “large” am Band helle Kirschen aussortiert. Aus beiden Farbsortierungen (dunkel und hell) werden dann die Übergrößen ausgelesen. Aus der Größe “large” entstehen somit
“large, hell”
“large, dunkel”
“Jumbo, hell”
“Jumbo, dunkel”
8. Verpackuung in die Endverpackung und Kühlraum

Die gesamte Anlage ist 4 Jahre alt, die technische Ausstattung wurde von GP Graders geliefert. Die Kapazität liegt bei max. 3500 kg/h. Es wird mit weniger Wasser gearbeitet als in Nordamerika und Kanada. Eine optische Sortierung besteht noch nicht, ein digitales System von GP Graders sei jedoch in Entwicklung.

Übernachtung in Curicó, Hotel Villa el Descanso.


Donnerstag, 7.12.06


Besuch von Surfrut, einem Erzeuger, Verarbeiter und Exporteur, in Romerai bei Curicó. Führung durch Ignacio Osorio Vega, General Manager. Der Familienbetrieb hat folgende Geschäftsbereiche:
- Trockenobst und –gemüse
- Tiefkühlware
- Konservenherstellung
- Frischobst
- Weinproduktion
45 % der Packhäuser befinden sich im Ausland, auch Trocknungsanlagen, z.B. in den USA, Deutschland und China. Auch frische Kirschen werden weltweit vermarktet,
ebenso Industriekirschen in verarbeiteter Form (Maraschino-Kirschen, gefärbt oder entfärbt). Bei der Tiefkühlware dominiert das Beerenobst. In Chile arbeiten 700 Festangestellte, dazu die Saison-AK in den Packhäusern. Insgesamt macht Surfruit Chile jährlich $40 Mio Umsatz, davon $20 Mio mit Trockenobst und $7 Mio mit Frischobst. Beim Trockenobst dominieren die Äpfel: Jährlich werden 25.000 Tonnen frische Äpfel getrocknet.



Kosten des Kirschenexports:


Luftfracht 18-19 $ / 5-kg-Karton
Seefracht 1,8 $ / 5-kg-Karton

Zunächst wurde eine Versuchsanlage für Süßkirschen besichtigt und dabei folgende aktuelle Fragen diskutiert:
Behangsregulierung: Mechanische Ausdünnung der Blüten und kleinen Früchte. Chemisch wird nur die Nebenwirkung eines intensiven Gibberellineinsatzes genutzt (s.u.), also Hemmung der Blütenknospenbildung.

Fruchtgröße und –festigkeit, Verzögerung des Erntetermins: Gibberellineinsatz mit 20-30 ppm GA3 ab 30 % gelb gefärbten Früchten, oder direkt nach dem Röteln. Seit einem Jahr wird empfohlen, bis zur Ernte bis zu 6 Spritzungen auszubringen, also wöchentliche Applikationen. Die Ernte kann bei Spätsorten wie Sweetheart über 1 Woche hinausgezögert werden, die Fruchtgröße, der Zuckergehalt und die Festigkeit verbessern sich. Bei früheren Sorten können entsprechend weniger Spritzungen “untergebracht” werden, mindestens aber 2 Applikationen.
Baumerziehung: Seit 1998 wird in Chile verstärkt die Baumform Solaxe gepflanzt, eine Spindel mit umgebogener Mitte. Jetzt werden verstärkt niedrigere Baumformen gesucht. Aus Spanien kommt das Modell des verbesserten “Spanish Bush”: 4 Hauptäste nach Anschnitt des Jungbaumes bei 30 cm (2 Triebe werden dann hochgezogen), Sommer-Anschnitt (4 Triebe), Anschnitt im nächsten Winter, darauf Beginn der Seitenholzbildung und im Sommer Erreichen der Endhöhe von ca. 1,80 m. Ertragsbeginn im 3. Blatt. Unterstützt wird die Fertilität durch den Einsatz von Cultar, welches 4 Wochen vor der Blüte über die Fertigation gegeben wird. In den Folgejahren wird 70 % Tragholz (38 Seitenäse) und 30 % Erneuerungstriebe (15 Seitenäste) angestrebt. Dieses System kommt aus Spanien. Ein neues Cultar (Paclobutrazol) mit besserer Umweltverträglichkeit soll im Versuch stehen.
Sorten- und Reifeunterschiede bei den Unterlagen: Am Beispiel von Sweetheart zeigte sich, dass Colt und P. avium deutlich später reif waren als Gisela 6.

Packhaus: Zur Haltbarmachung wird dem Wasser in der Sortieranlage Chlor in einer Konzentration von 150 ppm zugesetzt. Die Konzentration wird ständig überprüft und nachdosiert. Eine optische Sortierung der Fa. Multiscan (Spanien, www.multiscan.eu) ist seit 2 Jahren im Einsatz. Die Maschine hat eine Maximalleistung von 4 t/Std bei 12 Ausgängen. Diese wird aber nur ausgenutzt, wenn die Zufuhr optimiert ist. Bei einer Zuführung in Wasser ist sie besser als bei trockener Zuführung. Eine höhere Leistungsfähigkeit ist hauptsächlich abhängig von der Weiterentwicklung von Rechenprozessor (einfacher PC, Software arbeitet auf Windows) und der Kamera. Sie ist aus Standardmodulen zusammengebaut, nur 2 Karten wurden speziell für die Kirschensortierung entwickelt. Beim Updating werden nur einzelne Komponenten ausgetauscht. Fernwartung über das Internet bis hin zum Blick auf einzelne Kirschen ist möglich. Pro Frucht werden 8 Bilder gemacht, auch andere Früchte (z.B. Pflaumen) mit einem Durchmesser bis zu 55 mm können sortiert werden. Derzeit wird nach Größe und nach Farbe sortiert und manuell nachsortiert und verpackt, es wird aber daran gearbeitet, auch Schalenfehler zu erkennen und pneumatisch auszusortieren. Aus Spanien wird berichtet, dass dort bereits 2 Packhäuser mit automatischer Abfülleinrichtung betrieben werden (weniger Raumbedarf und geringere Abpackkosten). Die Fehler bei der Sortiergenauigkeit liegen lt. Fa. unter 1 mm. Multiscan baut eine 2 – spurige 2-Tonnen-

Anlage mit 12 Ausgängen für € 120.000 o. MWSt (billiger ist die Anlage mit 6 Ausgängen (€ 90.000)) und die vorgestellte 4 – spurige 4-Tonnen-Anlage (€ 180.000).

Besuch eines Familienbetriebes unter Führung von René Ilabaca. Hauptkulturen sind Apfel (133 ha) und Wein (82 ha), aber auch 18 ha Kirschen (Bing 5,8 ha, Lapins 5 ha, Sweetheart 3,4 ha, Summit 2,5 ha, Van 1,3 ha und andere). Beeindruckend billige Lösung, Kühlhausverdampfer zum Betrieb einer Hydrocooling-Anlage zu nutzen.
Ein kurzer Abstecher in die Äpfel zeigte das hohe Ertragsniveau der Region: Bei ‚Granny Smith’ werden im Durchschnitt 110 t/ha, bei ‚Fuji’ 75 t/ha geerntet. Der Einsatz von Retain zur Reifeverzögerung und Verhinderung des Vorerntefruchtfalles funktio-

niert in Chile nicht, da die Ausbildung der Fruchtfarbe unzureichend ist. Preise für Äpfel im laufenden Jahr:


Fuji 14 $ / 18-kg-Karton
Braeburn 10,5 $
Gala 12,0 $
Red Delicious 9,0 $
Pink Lady 12,0 $
Granny Smith 8,7 $
Birne Packhams 8,2 $

Besichtigung einer Kiwi-Analge mit der Hauptsorte ‚Hayward’: Bei 12 % männlicher Pflanzen kommt man auf einen Ertrag von 38 – 42 t/ha. Während der Blüte kommen 16 Bienenvölker/ha zum Einsatz. Eine Neuanlage produziert ab dem 4. Jahr. Zum Schutz der Stämme vor Winterfrösten werden diese mit Stroh umwickelt. Einsatz von CPPU (Cytofix): Am Strauch hängende Früchte werden 45 Tage nach der Blüte getaucht oder mit einer Rückenspritze behandelt (hohe Mittelkosten). Dadurch Verbesserung der Fruchtgröße. Kiwis sind sehr wasserbedürftig: auf dem Standort werden 200 L/Tag und Pflanze gegeben.


Freitag, 8.12.06


Aufgrund des Feiertages Mariä Empfängnis kein Fachprogramm, sondern Fahrt nach Cobquecura an die Pazifikküste. Dort Besichtigung von einer Seelöwenkolonie und gewaltigen Felsformationen. Der Strand besteht aus Lavasand, der so heiß wird, dass sich 1 Teilnehmer die Füße verbrannt hat. Die Wassertemperatur beträgt zwischen 10 und 14 °C. Auch aufgrund des hohen Wellenganges ist Baden nicht möglich. Weiterfahrt nach Chillan.
Übernachtung im Grand Hotel Isabel Riquelme in Chillán.


Samstag, 9.12.06


Am Vormittag haben wir den Markt in Chillán besucht und konnten uns einen Eindruck verschaffen, wie das Obst und Gemüse auf dem heimischen Markt präsentiert wird.

Der Betrieb von Eckhard Schmidt-Pütz und seiner Frau Antonieta liegt ca. 40 km entfernt von Chillán. Schmid-Pütz, gebürtiger Rheinländer, wanderte als 15-Jähriger mit seinen Eltern nach Chile aus. Es werden 10 ha Süßkirschen mit einer Erweiterung von 5 ha im kommenden Winter angebaut, dazu werden jährlich 40.000 Kirsch- und Wal

nussbäume in einer eigenen Baumschule produziert. Der Süßkirschenanbau entstand ab dem Jahr 2000 nach intensiver Informationsbeschaffung weltweit. Da auf dem Standort mit 1200 mm Jahresniederschlag, davon 800 mm im Winter, mittelschweren Böden, noch keine Anbauerfahrungen mit Kirschen bestanden, werden parallel neue Sorten und Unterlagen geprüft. Als Standardunterlage hat sich inzwischen ‚Colt’ herausgeschält, aber auch CAB 6P scheint ausreichende Staunässeverträglichkeit zu besitzen. Gisela 5 und Gisela 6 werden als nicht standortgeeignet beurteilt. Hauptsorten sind ‚Lapins’, ‚Kordia’, ‚Regina’ und ‚Sweetheart’, ‚Bing’ ist unter den Standortbedingungen zu platzanfällig. Besonders bei ‚Sweetheart’ lief es 2005 sehr gut: Bei einem Ertrag von 13 t/ha wurde ein durchschnittlicher Auszahlungspreis von $ 3,80 erzielt.

Die Größenverteilung : 70 % > 28 mm, 20 % 24-26 mm, 10 % < 24 mm. Dieses Jahr wird witterungsbedingt nur mit einem Ertrag von 10 t/ha gerechnet. ‚Sweetheart’ ist die wirtschaftlichste Sorte im Betrieb. Sie wird zwischen dem 20. und 25. Dezember mit 18° Brix geerntet, wenn es in Chile kaum noch Kirschen gibt. Die Ernte muss aufgrund der hohen Temperaturen mittags um 14.00 Uhr beendet sein. Die Ware wird 3x täglich ins Nachbarörtchen St. Carlos gebracht und dort mit dem Hydrocooler heruntergekühlt, um danach mit dem Kühl-LKW ins ca. 300 km entfernte Packhaus “Rio Blanco” gebracht zu werden.
Für eine 5-Hektar große Erweiterungspflanzung stehen in der Baumschule die Sorten ‚Lapins’, ‚Regina’, ‚Schneiders’, ‚Summit’ und ‚Sylvia’. Die Düngung richtet sich nach Blatt- und Bodenanalysen, bei den Blattspritzungen wird auf Calcium (5x), Kalium (5 x) und Gibbereline Wert gelegt. Während der Blüte wird 3x mit Cytokinin behandelt (Zellmembranstabilisierung), weiterhin Bor und Zink eingesetzt.Für den, der auswandern will: Ausländer sind in Chile willkommen, vor allem, wenn sie Geld mitbringen. Die Bodenpreise betragen für bestes, bewässertes Land bis zu € 7000 /ha, preiswertes Land in den Bergen ist schon für € 100/ha zu bekommen. Auch Ausländer dürfen kaufen. Derzeit kommen viele Franzosen und Spanier und kaufen Land für Weingüter. Es gibt keine Flächen- oder Höchstmengenbegrenzung im Weinbau. Der Pachtpreis beträgt ca. 10 % des Kaufpreises.

Ein heißer Tag klang bei Lamm am Spieß im Schatten der Pergola aus. Beeindruckend war hier auch das Gespräch mit Werner und Ingrid, zwei ehemaligen Mitgliedern der Colonia Dignidad, die nach deren Auflösung durch den chilenischen Staat dabei sind, eine eigene Existenz mit Kirschen- und Walnussanbau zu gründen.


Sonntag, 10.12.06


Fahrt nach Pucon mit Halt am Wasserfall Laja. Wir befinden uns hier bereits in der 9. Region im sogenannten Seengebiet. Hauptstadt der Region ist Temuco (250.000 Einwohner). Es herrscht immergrüner Wald mit Nothofagus-Arten vor. Es gibt 7 aktive Vulkane, von denen der Villarica (2850 m, letzter Ausbruch 1984) der bekannteste ist.

Übernachtung in den Cabañas “Monte Verde” mit Blick auf den See.



Montag, 11.12.06


Besteigung des Vulkans Villarica (2840 m) mit 22 Leuten aus der Reisegruppe. Nachdem der Bus die Bergsteiger mit 1-stündiger Verspätung und nur dank Elkes Organisationstalent von Monte Verde abgeholt hat, wird sie zunächst im Basislager in der Stadt Pucon eingekleidet. Zur Ausrüstung gehören: Bergsteigerschuhe, Helm, Sonnenbrille, Gamaschen, Jacke, Hose, Handschuhe, Rucksack, Rutschhose, Verpflegungspaket und Eispickel. Dann geht es in 45-minütiger Busfahrt über Schotterpisten an die Schneegrenze zur Seilbahnstation. Hier werden von den Bergführern nochmals 5 Minuten Bedenkzeit eingeräumt, ob man sich den Aufstieg zutrauen will, zumal das Wetter nicht sehr viel versprechend ist. Danach gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen, also Zahlung des vollen Betrages auch bei vorzeitigem Abstieg. Keiner springt ab. Das Wetter ist diesig und wolkig. Die kurze Seilbahnfahrt spart 1 Stunde Anstieg, aber bei 2000 m geht es dann los in Achtergruppen mit jeweils 1 Bergführer. Der Anstieg im nassen Schnee ist dann sehr langsam und stockt immer wieder, da es neblig ist und die Gruppen auf jeden Fall zusammenbleiben müssen. Es geht Schritt für Schritt in Zickzacklinien und den Fußstapfen der Vorderleute aufwärts. Dazu weht ein kalter Seitenwind mit ca. 70 km/h. 2-4 Pausen werden eingelegt, immer wieder erfolgt die Mahnung, sich zu melden, wenn man eine Pause braucht, damit die Gruppe nicht auseinander reißt. Ungefähr nach der Hälfte des Aufstiegs wird bekannt gegeben, dass man nur noch 200 m höher klettert und dann umkehrt, falls sich das Wetter nicht bessert. Uns kommen bereits Gruppen entgegen, die vorzeitig umgekehrt sind. Dann reißt die Wolkenschicht auf und es wird gleich deutlich angenehmer. Unterhalb des Kraterrandes wird es nochmal steil und vereist, weil der Schnee durch die warmen Gase und die Bodenwärme angeschmolzen ist. Oben angekommen zu sein ist ein erhebendes Gefühl. Nach unzähligen Fotos und kurzer Mahlzeit aus dem Rucksack fragt sich mancher, ob er noch die Kraft zum Abstieg hat. Der geht dann aber viel schneller als gedacht, nämlich auf dem Hosenboden in Schneerinnen. Das letzte Stückchen auf Schotter unterhalb der Schneegrenze ist da noch der anstrengendste Teil. Das ganze Ereignis hat dann nicht einmal 6 Stunden gedauert. Viele verbringen den Rest des Tages in der Therme. Eine andere Gruppe hat den Tag am Vulkan mit der Besichtigung unterirdischer Gaskavernen und dann im Thermalbad verbracht.

Dienstag, 12.12.06


Gerhard Schmidt ist Eigentümer der Packstation “Southern Fruit”, die sich auf Heidelbeeren und Süßkirschen spezialisiert hat. Hier, ca. 100 km nördlich von Temuco, befindet man sich in Chile schon in einer ausgesprochenen Spätlage für Süßkirschen. ‚Kordia’ ist hellrot, ‚Sweetheart’ noch grün. An die Packstation liefern 10 Produzenten ca. 120 ha Kirschen (Lapins, Kordia, Regina, Sweetheart). Auf jeder Kiste befindet sich ein Prüfcode, ähnlich der amtlichen Prüfungsnummer beim deutschen Wein, aus dem der Eingeweihte den Produzenten, die Sorte, das Quartier und die Los-Nummer ablesen kann. Die Stieltrennung erfolgt in der Station manuell, die Größensortiereinheit ist chilenischer Bauart. Nach Besichtigung des Packhauses fahren Schmidt und sein Berater Ramon Jorquera mit der Gruppe über ca. 20 km geschotterte Straßen zu seiner Heidelbeer- und Süßkirschen-Produktionsanlage. Das Unternehmen ist auch Mitglied des Beerenobstkonsortiums Vital Berry (www.vitalberry.cl). Bei den Heidelbeeren wird die Hauptsorte ‚Duke’ gerade geerntet. Die Anlage erbringt 15-20 t/ha, der Boden in den Reihen ist mit Nadelholz-Sägespänen abgedeckt. Bewässert wird mit 20 L Wasser pro Woche und Pflanze. Zum Frostschutz werden Windmaschinen eingesetzt. Der Betrieb hat insgesamt 70 ha Heidelbeeren und erntet mit 180 Leuten über einen Zeitraum von 3-4 Monaten. Der aktuelle Auszahlungspreis für den Produzenten (Aufbereitung und Transport schon abgezogen) liegt zwischen 2$ und 8$ je kg und ist nach Aussagen von Schmidt damit zufrieden stellend.
In einer 10 Hektar großen Süßkirschenanlage stehen die Sorten Kordia, Lapins, Regina und Sweetheart, alle auf der Unterlage Colt. In neueren Pflanzungen wird auch Gisela 6 eingesetzt, vor allem für Kordia und Regina. Maxma 14 funktioniert auf dem Standort nicht. Sweetheart und Lapins sind überdacht, weil es im Reifemonat Dezember zwischen 10 und 15 mm regnen kann. Im ganzen Jahr fallen 1300 mm Niederschlag, vorwiegend in den Wintermonaten. Aufgrund des hohen Krankheitsdruckes durch Pseudomonas wird der Baumschnitt nur nach der Ernte durchgeführt. Pflanzenschutzpräparate sind Kupfermittel und bei starkem Pseudomonas-Druck im Winter (nasskaltes Wetter um den Gefrierpunkt) auch Chlordioxid. Jährlich werden in der Summe 10-15 Behandlungen gegen Pseudomonas durchgeführt. Phyton – 27 ist ein systemisch wirkendes Kupfermittel, ein Kupfersulfat mit 5 Wasserstoffbindungen.

Abends findet in Temuco das letzte gemeinsame Essen auf chilenischem Boden statt. Klaus Minners bedankt sich mit geschliffener Rede bei Ruby und Elke und ist dabei selbst so hingerissen, dass er die Geschenke vertauscht.

Übernachtung im Hotel “Bayern” in Temuco.

Mittwoch, 13.12.06
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Abflug bei Regenwetter mit Sky-Airlines nach Santiago. Am Flughafen von Santiago erhalten Peter und Hildegard Krupp endlich ihre Flugtickets von einem Taxifahrer, die ihnen Chile Express während der ganzen Tour vergeblich hinterhergeschickt hatte. Einige bleiben am Flughafen, andere fahren noch mal in die Innenstadt, und um 20.00 Uhr bringt Flug LAN 704 die Gruppe wieder gesund und wohlbehalten in den deutschen Advent-Winter zurück.


Download: Chile_Exkursion.pdf



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