Grassilageergebnisse 2021:
Sehr viel Masse, wenig Klasse!

Stand: 09/06/2021
Bis zum 20.08. wurden von der LUFA Speyer 686 Grassilageproben des 1. und 106 Proben des 2. Schnittes aus Mitgliedsbetrieben der Futtermittelprüfringe in Rheinland-Pfalz und dem Saarland analysiert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Grassilagen 2021 sind mit Ø 6,0 MJ NEL im 1. und 5,9 MJ im 2. Schnitt sehr energiearm.
  • Die Rohproteingehalte liegen mit 125 (GS 1) bzw. 143 g/kg TM (GS 2) auf einem historisch niedrigen Niveau.
  • Beides könnte in Betrieben mit hoher bis sehr hoher Milchleistung zu Problemen mit der Energie- und Proteinversorgung der laktierend Kühe führen.
  • Die Ø RNB-Werten in den Silagen liegen bei - 1 (GS 1) bzw. + 2 g/kg TM (GS 2). Maissilage hat einen negativen RNB von – 8 – 9 g/kg TM. Um eine auf Gras und Mais basierte Trogration auf einen RNB von -1 bis 0 g/kg TM einzustellen, werden viele Betriebe noch mehr eiweißreiche Zukaufsfutter kaufen müssen, als 2020. Andernfalls droht Milchverlust.
  • Rapsextraktionsschrot (RES) enthält neben Rohprotein auch sehr viel P. Wer größere Menge RES einsetzt (> 3 kg), sollte auf P im Mineralfutter verzichten.
  • Nacherwärmung könnte für die Betriebe zum Problem werden, deren Silagen viel Restzucker enthalten (> 80 g/kg TM), zu trocken sind (> 400 g TM) und zu hohe pH-Werte aufweisen (> 5). Vor allem pH-Wert und Restzuckergehalt sind gute Indizes für einen gelungen Gärverlauf. Ein wöchentlicher Vorschub von mindestens 2,5 m reduziert das Risiko der Nacherwärmung.
  • Der überwiegende Teil der Grassilagen enthält in diesem Jahr ausreichend Struktur. Die Grenzen einer pansenverträglichen Fütterung sollten auch beim Einsatz größerer Mengen an Getreide und Silomais nicht so schnell erreicht werden (< 250 g Zucker und unbeständige Stärke /kg TM).
  • 30 % der Silagen enthalten zu viel Rohasche (> 100 g/kg TM). Mit steigenden Rohaschegehalten steigt die Gefahr von Fehlgärungen (Buttersäure). Im Mittel von 55 untersuchten Silagen lag der Buttersäuregehalt bei 0,9 % i. d. TM (Zielwert (< 0,3 %).

Die Grassilagen 2021 sind energiearm und weisen einen niedrigen Proteingehalt auf. Foto © DLR Eifel

Empfehlung:

Untersuchen Sie alle ihre betriebseigenen Futtermittel auf Inhaltsstoffe und Gärverlauf (Grassilagen, Maissilagen, GPS, …, Getreide). Lassen Sie auf der Basis der Untersuchungsergebnisse die Rationen für ihre Milchkühe, Trockensteher und Jungrinder berechnen. Ein guter Gärverlauf ist dabei mindestens so wichtig wie gute Inhaltsstoffe. Ein guter Gärverlauf ist Voraussetzung für geringe Nährstoffverluste durch Nacherwärmung und eine hohe Futteraufnahme.

Den Gärverlauf kann man sehr gut über den pH-Wert, die Gehalte an Restzucker, TM und Rohfaser abschätzen. Die pH-Wert-Untersuchung kostet 5 € (FPR Eifel) und steht in keinem Verhältnis zum Schaden, der entstehen kann, wenn ihre Kühe an vermeidbaren Stoffwechselstörungen erkranken, die Zellzahlen ansteigen oder sie verschimmeltes Futter entsorgen müssen.

Die ausführliche Auswertung und Kommentierung der Untersuchungsergebnisse mit zahlreichen Grafiken und Übersichtstabellen für die einzelnen Futtermittelprüfringe finden als pdf-Dokument im Anhang.

Download: Grassilagen 2021.pdf


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