Getreide untersuchen lassen

Stand: 08/02/2005
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel


Nährstoffschwankungen im Getreide
Dass die Nährstoffgehalte - vor allem an Rohprotein und Energie - im Getreide sehr wohl von Jahr zu Jahr, aber auch sorten- und standortbedingt, zeigen die Ergebnisse der Getreideuntersuchungen des jahres 2004 des Futtermittelprüfringes Rheinland-Pfalz Nord.

Uebersicht 1 (Getreideuntersuchungsergebnisse)

Die Untersuchungen erfolgten mit NIRS (Nah-Infrarot-Spektroskopie) in Speyer.

Die Getreideuntersuchung mit NIRS wird an der LUFA Speyer rputinemäßig durchgeführt. Berstimmt werden Rohprotein, Rostärke und die Energiegehalte (MJ ME). Die Gehalte der wertbestimmenden Aminosäuren Lysin, Methionin+Cystin, Threonin und Tryptophan werden aus dem Rohproteingehalt berechnet (Degussa-Schätzformeln für die einzelnen Getreidearten).

Die Kosten für eine Getreideuntersuchung mit NIRS an der LUFA liegen - für Mitglieder von Futtermittelprüfringen - bei ca. 23 € incl. MWSt. Dies ist deutlich weniger als früher z.B. für eine Energiewertbestimmung aufgrund einer naßchemischen Untersuchung. Der Aufwand steht damit in keinem Verhältnis zu den Mengen an Getreide, die in einem größeren Ferkelerzeuger- oder Schweinemastbetrieb verfüttert werden oder zu dem Schaden, der durch nicht bedarfsgerechte Eiweißgehalte in der Mischung droht.

Auswirkungen verschiedener Getreidequalitäten

Ein Beispiel für die Konsequenzen in der Schweinefütterung wird in Übersicht 2 gezeigt. Dargestellt sind die Zusammensetzung und die wesentlichen Inhaltsstoffe in einer Futtermischung für Ferkelaufzucht bzw. Vormast.
Uebersicht 2 (Zusammensetzung von Futtermischungen)

Bei Getreide mit "normalem" Eiweiß- und Energiegehalt enthält die Mischung 13,09 MJ ME sowie 17,9% Rohprotein, davon 1,07% Lysin. Dies ergibt ein Verhältis von g Lysin zu MJ ME von 0,82 zu 1, wie es für diesen Gewichtsbereich empfohlen wird.

Wenn die bisherigen Mischanteile beibehalten werden, weil der Landwirt von Standardwerten bei seinem Getreide ausgeht, in wirklichkeit sein Weizen jedoch nur 9,6 und seine Gerste nur 9,2% Rohprotein enthalten, sinkt der Rohproteingehalt der Futtermischung auf 16,2%, davon 1,02% Lysin. Da auch der Energiegehalt seiner Gerste mit 12,30MJ ME recht niedrig liegt, sinkt das Verhältnis Lysin zu MJ ME auf nur 0,79 zu 1.

Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass der deklarierte Rohproteingehalt im Sojaschrot und der deklarierte Lysingehalt im Mineralfutter stimmen. Treten auch hier Untergehalte auf, werden die Auswirkungen auf die Leistungen noch gravierendet.

Um das ursprüngliche Verhältnis von Lysin zu MJ ME wiederherzustellen, sollte bei den vorliegenden Getreidequalitäten der Anteil an Sojaschrot in der Mischung um 2%-Punkte erhöht und der des Getreides entsprechend um 2 % verringert werden. Der Rohproteingehalt liegt dann zwar mit 16,8% immer noch niedriger als normal, aber die wesentlichen Aminosäuren (Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan) erreichen wieder die Sollvorgabe.

Getreide untersuchen lassen

Dieses Beispiel kann nicht zu der Empfehlung verallgemeinert werden, generell die Anteile von Sojaschrot oder anderen Eiweißfuttermitteln zu erhöhen, da sich die Rohproteingehalte, wie oben gezeigt, sehr unterscheiden.

D.h. wollen Schweinehalter ihr hofeigenes Mischfutter optimal zusammenstellen, müssen sie ihr Getreide untersuchen lassen. Nur so läßt sich eine kostengünstige und bedarfsgerechte Eiweißversorgung von Sauen, Ferklen und Mastschweinen realisieren, bevor viel später über schlechte Magerfleisch-Anteile bei den Schlachtschweinen oder eine schlechtere Säugeleistung der Sauen die entsprechende Rückmeldung erfolgt.

Ebenso zu empfehlen ist die Untesuchung des Futtergetreides (Eigenes und Zugekauftes) auf Mykotoxine.

Getreideproben (ca. 500 g Getreide) können direkt an die LUFA Speyer, Postfach 1629, 67326 Speyer (Tel. 062 32 / 13 60) geschickt werden, es empfiehlt sich aber die Probennahme und Einsendung über die örtlichen Futtermittelprüfringe, deren Betreuer am jeweiligen DLR zu erreichen sind.



Detlef.Gross@dlr.rlp.de     www.DLR-Westerwald-Osteifel.rlp.de drucken nach oben  zurück